Buchtipp: „The Homesman – Es führt ein Weg zurück“ von Glendon Fred Swarthout

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The Homesman - Es fuehrt ein Weg zurueck von Glendon Swarthout

Ein Buchtipp von Christine Werneyer (Dipl. Bibliothekarin)

Dieser Roman handelt von außergewöhnlichen, durch ihre Umgebung hart gewordenen Menschen, die sich im Wilden Westen zu behaupten versuchen:
Mary Bee Cuddy, Junggesellin und ehemalige Lehrerin, die ihren Hof allein bewirtschaftet, macht sich mit dem Eigenbrötler und Landräuber Briggs auf den Weg von irgendwo in Missouri nach Iowa, um vier wahnsinnig gewordene Frauen einer Kirchengemeinde zu übergeben.

Zwei Themen machen dieses Buch aus:
Zum einen die Nicht-Beziehung von Mary Bee und Briggs, denen es als eigensinnigen Menschen nicht leichtfällt, gemeinsam auf einem Treck unterwegs zu sein. Wobei sie, im Gegensatz zu Briggs, sozial eingestellt ist. Die Kämpfe, die beide miteinander ausfechten, werden nur angedeutet, ihre Gefühlslage wird nicht besonders betont, wird nur an kleinen Begebenheiten sichtbar, beispielsweise wenn Mary Bee auf einer genähten Tastatur Klavier spielt und dazu singt oder Briggs alleine tanzt.
Das andere große Thema handelt von den Schicksalen der vier Frauen, die verrückt geworden sind. Die harten Lebensumstände, Kälte, Dürre, Krankheit, Hunger und Einsamkeit haben ebenso zu ihrem Wahnsinn beigetragen wie Unfruchtbarkeit oder häufige Geburten. Mit verantwortlich sind ihre Männer, die sich in die Lage der Frauen nicht hineinversetzen.

Es gibt kein Happy End, das Buch lässt den Leser ratlos zurück. Die weiteren Schicksale bleiben völlig offen.

Der Roman lebt von der harten, ungeschönten Sprache, in der dies alles geschieht – nichts scheint irgendwie gewollt oder vorausgedacht zu sein. Die Personen agieren und denken nicht über Sinn oder Auswirkungen nach. Kinder sterben, Wölfe greifen Behausungen an, die kaum das Wort Hütte verdienen, Frauen entbinden ohne fremde Hilfe… Die äußeren Lebensumstände erlauben kein Nachdenken, es geht ums Überleben. Die karge und spröde Erzählweise wird dem gerecht und erlaubt es dem Leser nur, wenn er bewusst innehält, sich der Härte und Brutalität dieser Schicksale bewusst zu werden. Das Buch lässt sich auch als eine Darstellung der Gewalt an Frauen lesen.

Dieser im Original 1988 erschienene Roman kommt als Western daher, gehört aber in die Rubriken Drama und (Frauen-) Schicksal. Er ist kein Western, Indianer, Saloons und Schießereien spielen nur eine Nebenrolle. Das Buch zeigt den „Wilden Westen“ mal aus einer anderen Perspektive: Das Wilde wird nicht bezwungen und besiedelt, sondern die Menschen werden „wild“: hart oder wahnsinnig.

Zugegeben: ich habe das Buch nur aufgrund der Cover-Gestaltung, die sich an die Verfilmung mit Tommy Lee Jones anlehnt, in die Hand genommen. Ich habe es aber nicht bereut und das Buch innerhalb von zwei Tagen gelesen. Vom Film, den ich danach gesehen habe, bin ich enttäuscht. Zwar wird das Verhältnis zwischen Briggs und Mary Bee dargestellt; die harten Lebensumstände aber, die zum Wahnsinn der Frauen geführt haben und auch die Härte der Hauptprotagonisten erklären, werden leider vernachlässigt. Ohne das Buch vorher gelesen zu haben, hätte ich die Zusammenhänge im Film wahrscheinlich schwer verstanden. Zudem fehlt meines Erachtens eine Schlüsselszene.

Fazit: unbedingt lesenswert!

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