Am Mittwoch, 28. Oktober 2009, 19 Uhr, referiert Stadtarchivarin Dr. Dorit-Maria Krenn anlässlich des 125-jährigen Wirkens der Barmherzigen Brüder in Straubing über „die Pflegeanstalt in der Zeit des Nationalsozialismus“. Der Vortrag findet im 3. Stock des Salzstadels statt. Gleichzeitig wird an diesem Abend Gelegenheit sein, die von der Johannes-Grande-Fachschule konzipierte Ausstellung zum Thema Euthanasie und eine Fotoausstellung über das heutige Leben in der Einrichtung für Menschen mit Behinderung zu besichtigen.
Der nationalsozialistische Rassenwahn kostete Millionen Menschen das Leben, im Rahmen der „Euthanasie-Aktionen“ wurden auch geistig Behinderte und psychisch Kranke ermordet. Die „Vernichtung lebensunwerten Lebens“ machte auch vor den Straubinger Pfleglingen nicht Halt, wie der Vortrag, unter anderem an Einzelschicksalen, aufzeigen wird. Im Sommer 1941 wurde die Anstalt für Lazarettzwecke beschlagnahmt und musste geräumt werden. Trotz des roten Kreuzes auf den Dächern wurde die Einrichtung in den Luftangriffen der Jahre 1944 und 1945 zu achtzig Prozent zerstört.
Das Thema der Straubinger Behinderteneinrichtung in der NS-Zeit wurde nun zum ersten Mal wissenschaftlich erforscht. Den etwa 360 Euthanasie-Opfern, den etwa 45 Opfern der Luftangriffe und den vielen Soldaten, die ihren Verwundungen im Lazarett erlagen, wurde am 8. Oktober 2009 auf dem Gelände der Einrichtung der Barmherzigen Brüder an der Äußeren Passauer Straße ein eindrucksvolles Denkmal gesetzt.
Eintritt frei, mit Bewirtung